Hofgut Georgenthal – das Juwel im Taunus

Morgens, um 5:30 Uhr, stehe ich mitten im Taunus alleine auf einem Golfplatz.

Es ist Ende April und unter meinen Füßen knirscht das frostige Gras. Eine unglaubliche Ruhe liegt in diesem Tal.

Vom zentral gelegenen Hofgut Georgenthal steigt nur etwas Dampf aus dem Schornstein.

Keine Autos, kein Mensch weit und breit.

Nur ich und meine Kamera – wartend auf die ersten Sonnenstrahlen.

Noch knapp vier Stunden bis zum Abschlag, aber dieser Tag ist jetzt schon ein Genuss…

Hofgut Georgenthal am Morgen

Ende April wurden weitere Kollegen aus der Golfszene und ich zu einer Pressetour in das Hofgut Georgenthal eingeladen. Zeitlich hat es perfekt gepasst und so habe ich direkt zugesagt. Zwei Tage Golf und dann noch einen komplett neuen Platz kennenlernen, das war zu verlockend.

Am Vorabend bin ich mit dem Auto aus Köln angereist. Die knapp 150km aus Köln waren im Nu verflogen und kaum bin ich an der Autobahnausfahrt Idstein rausgefahren, hat mich der Taunus mit seinen kleinen Dörfern und geschwungenen Hügeln und Tälern gefangen genommen. Die letzten 15km durch diese Landschaft waren eine erste Entschleunigung. Die Großstadt ist hier schnell vergessen. Und ganz am Ende wartet in einem Tal das Vier-Sterne-Hotel Hofgut Georgenthal mit einem sehr jungen Golfplatz.

Ein junger Platz

Der Golfplatz, der das Hofgut fast komplett umgibt, ist in der kompletten Ausprägung grade mal ein Jahr alt. Im September 2015 wurden die ersten neun Bahnen fertiggestellt. Im darauffolgenden Sommer 2016 wurden die zweite Hälfte freigegeben.

Nach nur einem Jahr habe ich den Platz bereits in einem hervorragenden Zustand vorgefunden. Dank der robusten Grassorte Festuca war der Platz im Frühjahr bereits hervorragend zu spielen. Die Grüns waren perfekt gepflegt und auch auf den Fairways waren nahezu keine Divots erkennbar – eine perfekte Grasnarbe. Bis auf wenige Stellen, an denen noch Wege gepflastert werden (sollte aber jetzt im Sommer abgeschlossen sein) ist der Platz fertig. Natürlich müssen die Bäume noch in die Höhe wachsen, aber das bei einem Platz nach nur einem Jahr zu erwarten, wäre wirklich vermessen. Ich glaube daher, dass der Platz im Laufe der Jahre eher noch schöner wird.

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Kaum zu glauben, dass im dazu gehörigen Golfclub auch sehr viele Golf-Einsteiger spielen. Offensichtlich hilft hier jeder Spieler mit, um die Divots zu beseiten.

Der Golfplatz erstreckt sich über beide Hügel rund um das Hofgut und ist eine Mischung aus Links- und Parklandcourse. Der renommierte Golfplatz-Architekt Christian Althaus hat hier ganze Arbeit geleistet und das vorhandene Terrain genutzt, modelliert und verfeinert, um einen herausfordernden und visuell beeindruckenden Platz zu erschaffen.

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Der Par 70-Kurs hat von gelb eine Länge von 5431m und ein Course-Rating von 69,8 / Slope 135.

Ich bin ja bereits mit meinem Heimatclub, dem Golfclub am Lüderich, einen Bergplatz gewohnt, von daher haben mich die verschiedenen Steigungen im Georgenthal auch nicht überrascht. Aber was Althaus hier an Ondulierung geschaffen hat, ist wirklich beeindruckend.

Erhöhte Abschläge, Wasserhindernisse, unglaublich ondulierte Grüns, Bunker und Rough verschmelzen zu einer Einheit, die leider bei mir zu starkem Ballverlust geführt hat, aber trotzdem sehr viel Spaß macht.

Der Clubmanager Eric Marschke hat uns vorher versprochen, dass der Replay-Faktor des Platzes sehr hoch ist. Und was soll ich sagen: Er hat Recht!

Spannende Löcher

Die 18 Löcher bieten viel Herausforderungen, Spaß und Spannung.

Das schwerste Loch des Platzes ist Bahn 3, die als Par 4 konstant den Hügel hinaufgespielt wird. Dadurch spielen sich die Herren gelb mit 377m sich deutlich länger, eher als Par 5. Das fand ich persönlich etwas zu hart. Oben angefangen bietet sich jedoch ein sehr schöner Blick auf den gesamten Golfplatz und das Hofgut.

Blick zurück an Loch 3.

Blick zurück an Loch 3.

Bei mehreren Bahnen kommen dazu die Teiche ins Spiel, die in der Regel das Grün verteidigen und den Schlag ins Grün schwieriger gestalten. Doch Teiche sind nicht das einzige natürliche Hindernis. Immer wieder werden die Fairways durch Bäche durchzogen, die ein taktisches Spiel erfordern,

Ein gutes Beispiel für die richtige Taktik ist auch Loch 10. Das Par 4 geht in der ersten Hälfte bergauf. Wer lang genug ist und das Risiko mag, kann den rechten Bunkern anvisieren, um die Ecke abzukürzen. Für mich war es angenehmer regulär über das Fairway zu spielen. Ein klassisches Bite-Off-Hole, bei dem gute Spieler ein Stück Länge „abbeißen“ können.

Sehr schön ist auch Bahn 13, ein Par 3 bergab, da hier der Blick auf das Clubhaus grandios ist.

Loch 13 - mit Blick auf das Hofgut

Loch 13 – mit Blick auf das Hofgut

Die letzten drei Bahnen laufen komplett parallel und bringen zum Abschluss Herausforderung ins Spiel. Bahn 16 hat die Besonderheit, dass das Fairway von Bahn 17 als Aus definiert wurde. Ganz clevere Spieler spielen trotzdem über die 17, um den Graben auf der 16 zu vermeiden. Solange man nicht auf dem Fairway landet, sondern links oder rechts auf dem Semirough, ist es laut Platzregel theoretisch erlaubt. Hier wäre eine leicht andere Ausrichtung der Abschläge sicherlich angebracht, um diese Möglichlichkeit zu versperren.

Loch 18 ist dann der finale Abschluss, mit einem Grün direkt neben einem Teich, dass es in sich hat. Onduliert wie sonst was, müssen hier noch mal alle Putting-Skills gezeigt werden.

Trainingsmöglichkeiten

Neben dem 18-Loch-Platz gibt es ein umfangreiches Trainingsareal, dass kaum einen Wunsch offen lässt.

Die moderne Driving-Range bietet eine ausreichende Anzahl an Abschlagplätzen, direkt daneben befinden sich die Himalayas. Dieses Putting-Grün ist ein guter Vorgeschmack auf das, was einen teilweise auf der Runde erwartet: Es ist unfassbar onduliert. Zusätzlich gibt es ein normales, nicht so extremes Putting-Grün.

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Kurz vor dem 3-Loch Par-3-Platz befindet sich dazu eine Pitching-Area.

Das gesamte Trainingsareal ist sehr gut  gepflegt und ermöglicht den Gastspielern und Clubmitgliedern sehr vielfältige Übungen.

Die Himalayas....in Echt sieht dieses putting-Green noch beeindruckender aus...

Die Himalayas….in Echt sieht dieses putting-Green noch beeindruckender aus…

Ranger André Kaczmarczyk hat alles im Blick

Ranger André Kaczmarczyk hat alles im Blick

Nachhaltigkeit

Bei Golfplätzen kommt verstärkt der Nachhaltigkeitsgedanken zum Tragen.

Die Bewässerung erfolgt nahezu komplett über das vorhandene Oberflächenwasser im Tal. Mehrere Bäche werde genutzt um Teiche auf verschiedenen Höhen zu speisen. Die Teiche sind alle miteinander verbunden und können nach und nach überlaufen. Daraus werden die auf der gesamten Anlage verteilten knapp 600 Regner gespeist.

Zusätzlich wurde eigens eine 10km lange Wasserleitung gebaut, um weiteres Brauchwasser aus dem Nachbartal zu beschaffen. Das Brauchwasser wird sogar im Hotel für die Toilettenspülung verwendet.

Die Grassorte Festuca kommt dazu auch mit sehr wenig Dünger aus und ermöglicht bereits früh im Jahr eine hervorragende Platzqualität.

Auch bei der Anlage des Platzes wurde natürlich einiges an Erdmaterial bewegt, insgesamt hat der Architekt jedoch das vorhandene Terrain so gut wie möglich als Basis genutzt, um tiefergehende Eingriffe zu vermeiden.

Insgesamt ist das ein Punkt, den ich persönlich auch sehr wichtig finde.

Hotel

Das moderne Vier-Sterne-Hotel wurde liebevoll in das geschichtsträchtigen Hofgut integriert. Dieses wurde im Jahre 1692 als Zehnthof von Fürst Georg Fürst Georg August Samuel von Nassau-Idstein erbaut.

Nach einer bewegten Geschichte, verschiedenen Umbauten und einem Brand, der Mitte des 20. Jahrhunderts große Teile zerstörte, ist das gesamte Gut von der Familie Hankammer übernommen worden. Die Familie ist vor allem durch das Unternehmen Brita bekannt, ja genau die mit dem Wasserfilter. Der Name begegnet einem auf dem Platz und im Restaurant immer wieder. Nicht zuletzt durch die Geschäftsführerin Brita Hankammer, die das Hofgut zu dem aktuellen Schmuckstück gemacht hat.

Im Hotel warten 40 Zimmer auf Gäste – einschließlich einem Turmzimmer. Die Zimmer sind modern, sauber und großzügig eingerichtet. Alle Mitarbeiter, von der Rezeption über die Restaurantkräfte bis hin zur Chefin, heißen einen als Gast jederzeit freundlich willkommen.

Es gibt Tagungsräume, die vor allem unter der Woche gerne genutzt werden. Dazu gibt es einen Sauna- und Wellnessbereich, den ich aus Zeitgründen jedoch nicht getestet habe.

Das leibliche Wohl

Die Kaminlounge ist gleichzeitig auch das Clubhaus. Ebenerdig von der einen Seite, öffnet sich durch die große Panorama-Fensterfront der Blick auf der anderen Seite nach außen auf den Platz in Richtung Loch 18. Auch im Innenhof des Guts kann man nach einer Golfrunde perfekt entspannen.

Hier wartet morgens ein hervorragendes Frühstück mit frisch gepressten Orangensaft und dem meiner Meinung nach perfekt gebratenen Bacon und Rührei….das habe ich in sehr vielen vermeintlich gleichwertigen Hotels bereits deutlich schlechter bekommen.

Mittags und abends kann hier auch ein Snack eingenommen werden. Sehr empfehlen kann ich die Tagliatelle, die einfach wie beim Italiener schmecken – und das bei moderaten Preisen.

Für ein gehobenes Dinner gibt es zusätzlich das Restaurant Giorgios im Hofgut. Regionale Küche aus dem Taunus wird sehr schmackhaft und ansprechend präsentiert. Ich habe ein hervorragendes Schnitzel gegessen und als Vorspeise ein erfrischendes Gurkeneis. Wer nach dem Essen noch etwas tiefer ins Glas gucken möchte sollte beim Chef nach den selbst kreierten Obstbränden fragen. Ausgehend von regionalen Streuobstwiesen zaubert das kleine Familienunternehmen feine Tropfen.

Kulturgeschichte

Der Zehnthof ist jedoch nicht das Älteste im Tal. Ein Teilstück des Limes, dem römischen Befestigungswall, wurde entlang des späteren Golfplatz-Areals gebaut. Am Abschlag von Bahn 5 lohnt sich ein Blick in den Wald. Dort steht ein Stück nachgebaute Palisadenwand auf der alten Limes-Strecke. Grade auf den ersten 9 Bahnen überspielt man im Prinzip mehrmals den alten Limes. Dies soll mittelfristig durch Bäume dargestellt werden.

Für Nicht-Golfer, oder zur Entspannung nach einer Runde, gibt es einen Limes-Rundwanderweg, der einmal komplett um den Platz führt. Direkt am Hofgut gibt es das Informationsschild als Start- und Zielpunkt. In knapp 5 km führt der Wanderweg einen an verschiedenen Punkten und Erklärungstafeln vorbei.

Abschließend sollte dann noch ein Blick in das kleine Limes-Museum geworfen werden, in dem Stück gezeigt werden, die am Hofgut und in der Region gefunden wurden.

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Golfclub

Der Golfclub hat innerhalb der kurzen Zeit seit der Gründung bereits mehr als 400 Mitglieder gewonnen. Dabei sind nicht nur einige Golfer aus den Plätzen der Region abgewandert, sondern wurden auch viele Mitglieder durch die Nachwuchsarbeit und Platzreifekurse an den Golfsport herangeführt. Dadurch sind viele Einsteiger an Bord.

Neben der regulären Mitgliedschaft mit Laufzeiten zwischen 1 und 5 Jahren gibt es dabei interessante Pakete für jüngere Golfer:

  • 1 Jahresmitgliedschaft für „under 30“ 26 – 30 Jahre:       70,00 € / Monat
  • 1 Jahresmitgliedschaft für „Youngtimer“ 19 – 25 Jahre:   45,00 € / Monat
  • 1 Jahresmitgliedschaft für Jugendliche 13 – 18 Jahre:      25,00 € / Monat
  • 1 Jahresmitgliedschaft für Kinder bis 12 Jahre:                      0,00 €

Das finde ich eine gute Sache, zumal ich in den ersten Jahren auch mit einer U30-Mitgliedschaft im ersten Golfclub angefangen habe. Es ist ideal für den Start in die Golfkarriere und der heutigen Zeit angepasst.

Angebote

Das Hofgut Georgenthal lockt mit interessanten Angeboten und eignet sich ideal für einen Wochenend-Trip. Verkehrstechnisch gut gelegen, ist es innerhalb von 1,5 Stunden aus Köln zu erreichen. Frankfurt, Wiesbaden und Mainz sind in einem 30-Minuten-Radius.

Kleine Golf-Auszeit

Eine Übernachtung, Frühstück, Greenfee und Rundenverpflegung, dazu ein Golfpaket:

ab 132,30€ pro Person im Doppelzimmer.

Golfen & Schlemmen

Im Prinzip wie die kleine Golfauszeit, aber ergänzt durch ein Vier-Gänge-Genießermenü

Ab 168,30€ pro Person im Doppelzimmer

Die Preise finde ich bei einem regulären Wochenend-Greenfee von 90€ vollkommen in Ordnung, zumal die Verpflegung und das Hotel wirklich top sind!

Es gibt noch viele weitere Angebote, hier sollte für jede Kombination etwa dabei sein.

Abends ankommen, schick im Giorgios essen und dann nach einem guten Frühstück einen Tag voller Golf genießen. Kann es etwas Besseres geben?

Alle weiteren Angebote und viele Informationen zu Platz und Hotel findet ihr auf der Internetseite: www.hofgut-georgenthal.de

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Ich hoffe mein Bericht hat euch gefallen.

Habt ihr etwas vermisst? Feedback gerne in die Kommentare.

Und eins weiß ich ganz bestimmt: Ich werde wiederkommen!

 

Offenlegung: Ich wurde vom Hofgut Georgenthal eingeladen, alle Meinungen sind meine eigenen.

Leo.Soulgolfer

Seit 2013 dem Golfsport verfallen, ohne Aussicht auf Besserung. :) 85er Baujahr mit Faible für Fotografie, gutem Essen, Reisen... Hauptberuflich im Marketing in der Fotobranche. :)

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2 Antworten

  1. 16. Oktober 2017

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  2. 1. Dezember 2017

    […] Das Hofgut Georgenthal hat dieses Jahr zum ersten Mal einen Adventskalender. Das erste Türchen startet vielversprechend mit einem 18-Loch-Greenfee-Gutschein. Könnte man sehr gut mit einer kleinen Auszeit kombinieren. (Mein Beitrag über den Platz). […]